Kapitel 13 – Meerbrasse


Li CiWen, Hong Kong, Februar 2004

Die Ausbeute ihres Ausfluges war überwältigend. Nachdem Lim Tok die Bilder entwickelt und vergrößert hatte, gaben sie die Filme an einen Kurier, der sie nach Xiamen bringen würde. Dank eines brandneuen Trommelscanners hätten sie in wenigen Tagen extrem hochaufgelöste digitale Aufnahmen. Beijing würde entscheiden, was davon an Hong Kong, Interpol oder andere Polizeibehörden weitergegeben werden konnte. Ein heikles Unterfangen. Lief man doch Gefahr, dass man eigene Agenten in den Reihen der Triaden exponierte. Doch das war nicht mehr Lim Toks und Li CiWens Problem.
In Hong Kong hatte sich die Trägheit ausgebreitet. Die Festtage verliefen in ruhigeren, familiären Bahnen. Man besuchte seine ehemaligen Lehrer, Freunde oder sonstige Gefährten auf dem bisherigen Lebensweg. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und die Menschen schwärmten auf den Peak, den Parks und in die grünen Lungen der Stadt aus. Die Stimmung war heiter, vergessen der Anreisestress, die vielen Vorbereitungen. Das war die beste Zeit des Jahres.

Lim Tok und Li CiWen schwammen ein wenig auf dieser euphorischen Welle mit. Doch die Aufgabe, die vor Ihnen stand, war kompliziert. Zuerst versuchten sie, den Gesichtern Namen zuzuordnen. Hatte man erst mal den Namen, ließen sich weitere Daten, wie Geburtsort, familiäres Umfeld, Bildung und vieles mehr finden. Sie brauchten dringend einen Informanten, der ihnen verlässlich über den Wissensstand der Drei Harmonien Auskunft geben konnte. Eine weiche Stelle im Panzer der Alten. Lim Tok hatte viele Freunde in der Stadt. Nicht wenige von denen schuldeten ihm einen Gefallen. Doch es war das eine, einen Gefallen einzufordern, etwas anderes war es, mit einem Familienalbum der skrupellosesten und brutalsten Triaden-Bosse durch Hong Kong zu spazieren. Würde ihre Fotoschau bekannt, wären sie schneller tot, als sie ein Mississippi sagen könnten. Natürlich mussten sie weiterhin davon ausgehen, dass sowohl das Boot als auch ihr Auto ständig überwacht wurden. Verließen sie das Boot, welches regelmäßig nach Wanzen abgesucht wurde und ständig unter dem aufgespannten Jammer vor sich her dümpelte, mussten sie vorsichtig vorgehen. Erst fuhren sie eine Weile umher, um zu schauen, ob sie verfolgt wurden. Dann wechselten sie das Fahrzeug. Jedes Mal ein anderes. Fuhren wieder eine Weile spazieren. Es traf sich immer nur einer von ihnen mit dem Informanten. Der andere, meistens Lim Tok, sicherte die ganze Operation. Die Bilder, die sie zeigten, waren stark bearbeitet und ließen keinen Rückschluss mehr zu, wo diese aufgenommen wurden. Selbstredend, dass sie nie das ganze Familienalbum dabeihatten. Diese Prozedur war langwierig, unbequem und zerrte an den Ressourcen. Doch es lohnte sich. Je mehr Informationen anfielen, desto deutlicher zeichnete sich wenigstens eine Person ab, die genug Angriffsfläche bot, dass man sie abschöpfen konnte. Sein Name war John Chow. Die wichtigste Frage, die die beiden Freunde klären mussten, war, ob die Alten durch den Fund in Kent Rückschlüsse auf den Verbleib der restlichen Stücke ziehen konnten. Und wenn ja, wie weit sie schon vorgedrungen waren.

John Chow war wie die meisten Mitglieder, über seine verkorkste Kindheit, die falschen Freunde langsam aber sicher in die Fänge der Drei Harmonien gelangt. Irgendwann in jungen Jahren hatte er dann die sechsunddreißig Schwüre beeidet. Die Drei Harmonien sorgten dafür, dass sein sozialer Abstieg gebremst wurde, dass sein Leben für ihn wieder einen Sinn bekam und die Alten sorgten für eine Struktur, an der er sich aufrichten und wachsen konnte. Und gewachsen war er ohne Zweifel. Er war nunmehr zum Caoxie (Liaison Officer) aufgestiegen. Anders als seine Herkunft vermuten ließ, war John Chow keineswegs dumm. Im Gegenteil, seine Kinderstube mochte darüber hinwegtäuschen, doch mit einem IQ von über einhundertdreißig hatte er seine Situation schon seit längerer Zeit analysiert. Sein Ergebnis machte ihn für die Triaden irgendwann zum Problem. John Chow war ein empathischer Mensch. Über die Informanten erfuhren Lim und Li, dass er bei einigen Aktionen mehr Milde zeigte, als das sonst in den Kreisen üblich war. Das geschah nicht ohne Kalkül. Auf diese Weise hatte er sich über die Zeit ein kleines Netzwerk geschaffen. Dieses soziale Geflecht basierte auf Gefallen gegen Gefallen. Lim Tok nannte ihn den Anti-Calvin. Und da war was dran. Calvin Chongs Netzwerk war auf Furcht und Erpressung aufgebaut. Doch beiden dienten ihre Netzwerke dazu, sich von den Triaden ein Stück unabhängig zu machen. Wie weit Calvin Chong mit diesem Vorhaben vorangekommen war, konnten Lim und Li nicht einschätzen. Die Bemühungen von John Chow ließen sich deutlich besser beurteilen. Ihnen war klar, Chow suchte nach einem Ausweg aus dem Bund mit den Drei Harmonien. Er hatte schon seit Jahren die gleiche Freundin und er hatte in der Vergangenheit plastische Chirurgen und ID-Berater aufgesucht. Es war offensichtlich, er wollte irgendwo auf der Welt mit neuem Gesicht, neuer Identität und langjähriger Freundin, noch mal von vorne anfangen. John Chow brauchte wahrscheinlich kein Geld, aber er brauchte dringend logistische Hilfe. ID-Berater, also Leute, die einem vom Pass, über neuem Lebenslauf bis hin zu allen nötigen Dokumenten, zu einer neuen Identität verhalfen, waren oft ebenfalls mit den Triaden verstrickt. Das Gleiche galt für die plastischen Chirurgen, die im Stillen arbeiteten. Abseits von schicken Kliniken in Seoul oder Tokyo für Frauen von Männern mit zu viel Geld.
Es dauerte eine Weile, bis Li CiWen für die Soko grünes Licht bekam, einen Deal auszuhandeln.
Lim und Li saßen zum abendlichen Bier an Deck der Dschunke. Links und rechts des Kanals waren die Häuser hell erleuchtet. Das Klima war ungewöhnlich mild für diese Jahreszeit. Es wehte kaum Wind. Das ständige Glucksen an der Bordwand war zur Unhörbarkeit gedimmt. Gutes Wetter lockte viele Hong Konger auf ihre Boote. Rings um sie herum wurde gegessen, angestoßen und palavert. Manche nutzten die Gelegenheit zum Karaoke. Musikfetzen wehten zu ihnen herüber.
Lim sah Li an: „Was denkst du, sollen wir Chow kontaktieren? Ich muss zugeben, dass ich mir selber nicht im Klaren bin, ob das so früh schon eine gute Idee ist. Wenn er nein sagt, sitzen wir nicht nur auf dem Trockenen, sondern wir haben ziemlich weit das Schild heruntergelassen. Der MI6 würde sagen, der ist noch nicht reif. Ich denk ähnlich.“
Li hatte einen großen Schluck Bier genommen. Er ließ sich Zeit mit der Antwort: „Ich würde dir so gerne zustimmen, aber unser Problem ist die Zeit. Ihr Geheimdienstler …“
„Ex-Geheimdienstler“, unterbrach ihn Lim Tok.
„Ja, die auch“, grinste Li CiWen seinen Freund an, „ihr beurteilt das immer nur nach Kosten und Nutzen in einem ewigen Krieg. Ein bisschen kann ich das verstehen. Wir geben jetzt einen Haufen Kohle aus, um an ein paar Informationen zu gelangen. Danach ist die Quelle weitgehend versiegt. Ihr dagegen wollt die Kuh so lange melken, wie es irgendwie geht. Und im Idealfall sogar noch zu einem großen Krawumm nutzen. Ich bin nicht beteiligt an diesem geheimen Krieg. Ich habe das Problem, dass sich bei diesen Spielchen beide Seiten immer ähnlicher werden. Ich will jetzt nicht philosophisch werden, aber es geht auch um Gerechtigkeit. Wir sind die Guten, wie du weißt. Ich war kein Boy-Scout, aber du, wenn ich recht erinnere. Also, was ist mit deiner guten Tat heute?“
„Ich hab das Bier an Deck geschleppt“, bemerkte Lim Tok schlagfertig. „Du hast ja recht, es stimmt, ich denke wie ein MI6. Wer weiß, wann wir wieder eine weiche Stelle in dem Laden finden. Und mal ganz nebenbei, eine langfristige Abschöpfung rettet auch Leben … Aber wie auch immer, du hast recht, unser primäres Problem ist der Schatz. Wir sollten eine Kontaktaufnahme einfädeln. Ich weiß nur nicht, wie, wo und wann.“

Sie saßen mehrere Minuten da und hingen ihren Überlegungen nach.
Lim Tok fuhr fort: „Möglicherweise haben wir mit unseren Nachforschungen der letzten Tage die Seismometer der Alten in hauchzartes Zittern versetzt. Zumindest hoffe ich, dass es nicht mehr war. Wir sollten die nächsten paar Tage die Füße stillhalten. Also das machen, was alle Touristen und deren Gastgeber hier machen: Komische Sachen essen, einkaufen bis der Arzt kommt, auf den Peak fahren und wieder runterlaufen, die Delphine im Ocean-Park füttern und so Sachen. Diese Zeit brauch ich, um das Treffen vorzubereiten. Mal abgesehen davon, dass wir mal wieder ein paar Vorräte an Bord schaffen müssen. Morgen werden wir uns ein paar schöne Hong Konger Märkte anschauen …“
Sie stießen mit neuen Flaschen an und ließen den lauen Abend wirken. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

Ich werde mir eine Ferienwohnung auf Hainan kaufen, dachte Li Ciwen. Ein Boot wie dies hier wär auch nicht schlecht, aber wer soll sich in meiner Abwesenheit darum kümmern? Eine Ferienwohnung auf der Insel – das wär‘s. Ich werde das machen – wenn das alles hier vorbei ist. Nach Möglichkeit ganz im Süden, aber nicht zu dicht an den Touristenzentren. Dschungel im Rücken und freie See nach vorn. Keine Villa, nicht zu groß. Ausreichend für zwei Leute in meinem Alter. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja mal wieder was. Li CiWen hatte einen Entschluss gefasst.

Lim Toks Gedanken gingen in eine ganz ähnliche Richtung. Er wollte schon lange mal mit Pipi raus aus Hong Kong. Vielleicht nicht für immer, aber für eine längere Zeit. Er war Bürger des Commonwealth, so wie Pipi. Ein paar Jahre Neuseeland oder Australien täte ihnen gut. Nicht gerade Schafe züchten. Zum Farmer war er nicht geboren und Pipi schon gar nicht. Er hatte von einem Freund aus alten Tagen, der eine Detektei in Melbourne hatte, ein paarmal das Angebot bekommen, sich um dessen chinesischstämmige Klientel zu kümmern. Das wäre eine gelungene Abwechslung. Weg von den Triaden, diesem Moloch von Stadt und dem Hustle&Bustle Asiens. Ja, das war eine gute Idee. Er würde gleich morgen mit Pipi darüber reden.

Der nächste Tag begrüßte sie mit einem strahlend blauen Himmel und lauen Temperaturen. Ein idealer Tag, um in Hong Kong die Seele baumeln zu lassen und um über Märkte zu schlendern. Li CiWen brauchte erst einige Zeit, um in den Urlaubsmodus umzuschalten. Lims Boot lag in Sichtweite des Aberdeen Fish Markets. Dort fuhren sie zuerst hin. Lim Tok wollte ein paar Leckerbissen vom morgendlichen Fang abstauben. Li CiWen stürzte sich mit den Frühaufsteher-Touristen in das geschäftige Treiben. Er kannte Fischmärkte aus Qingdao und Xiamen, aber hier gab das Meer wesentlich Exotischeres her. Er hatte schon einige bedeutende Unterschiede zwischen Qingdao und Xiamen festgestellt. Hier in Hong Kong war es nochmal anders. Lim Tok steuerte seinen ganz speziellen Händler an. Heute Abend wird es ziemlich viel Fisch geben, dachte Li CiWen. Doch gemessen an dem Angebot kauften sie enttäuschend wenig. Sie verluden zwei kleine Dreißig-Liter-Kühlboxen auf das Dingi. „Warum auf Vorrat kaufen, wenn die Fahrt zum Fischmarkt keine zehn Minuten dauert?“, fragte Lim Tok. „Aber dafür haben wir jetzt ein Dutzend leckere Yellow Croaker, zwei Meerbrassen, eine große Flunder und noch ein paar Delikatessen an Bord. Das schaffen wir alles gar nicht … Am liebsten würde ich mich gleich an den Wok stellen.“
Sie brachten den Einkauf aufs Boot, um gleich nochmal loszufahren. Unmerklich kontrollierten sie, ob in der Zwischenzeit jemand an Bord war. Dann setzen sie wieder über, um mit dem Auto zum Gemüsemarkt und abschließend zu Jasons zu fahren. Mittags saßen sie im Hibiskus. Lim organisierte in der Küche, abseits öffentlicher Ohren und Augen, ein paar Dinge für das Treffen. Den Nachmittag machten Sie ernst mit dem Tourismusprogramm und fuhren mit der Tram auf den Peak. Li CiWen war bestimmt schon vier oder fünf Mal dort oben gewesen. Genau wusste er das nicht mehr. Bei all seinen bisherigen Besuchen zeigte sich Hong Kong von seiner üblichen diesigen Seite. Diesmal hatten Lim und Li Glück. Es war so klar, wie er das bislang nur von Postkarten kannte. Sie fotografierten ein wenig und machten sich dann zu Fuß an den Abstieg. Natürlich verpassten sie den Pfad, den sie eigentlich laufen wollten, kamen aber dennoch an der richtigen Stelle am Fuße des Bergers heraus. Sie hatten ihr Auto an der Ferry-Pier geparkt. Tranken an der Pier einen Kaffee und machten sich dann auf den Rückweg nach Aberdeen. Den Rest des Abends würde Lim Tok Wok und Grill bespielen, während Li CiWen ihm von der Hängematte aus zuschaute. Das Leben konnte wirklich schön sein, dachten beide.

Nach einiger Zeit erhielten sie die erhoffte Nachricht. John Chow war bereit zu einem Gespräch. Er ließ durchblicken, dass er für einen Deal offen sei. Das Risiko für beide Seiten war enorm. John Chows Triaden konnten ihn, sollten sie davon Wind bekommen, auslöschen und Lim und Li gleich mitnehmen. Genauso denkbar war, dass die weiche Stelle nur simuliert war und sie in eine raffiniert aufgebaute Falle getappt waren. Weitere offene Fragen waren, wie sie sich absichern würde. Die Hong Konger Polizei den Einsatz sichern zu lassen, war reine Illusion. Behörden dieser Größe hatten immer Lecks. Das folgte allein aus der Statistik. Selbst die SoKo in Xiamen war nicht eingeweiht. Für die galt das Gleiche, wie für die Polizei in der SAR. Und die Eine-Million-Dollar-Frage war, was passierte, wenn Chow nicht auf den Deal eingehen wollte und zusätzliche Forderungen stellte? Li CiWen hatte das Gefühl, dass er seinen Verhandlungsrahmen bereits stark ausgebeult hatte. Kein Mensch wusste, wie groß der Einfluss der Drei Siegel auf Beijing ist. Sollte Chow auf den Deal eingehen und liefern, musste seine Flucht und die seiner Freundin organisiert werden. Dafür hatten sie nicht unbegrenzt Zeit. Wie auch bei den anderen Aktionen war es eine Abwägung, wie viele Freunde Lims in die Aktion involviert wurden. Mehr Leute bedeutete eine höhere Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Erhöhte jedoch die Sicherheit – zumindest virtuell. Sie beschlossen, nur zwei Freunde einzubeziehen, die eine rudimentäre Sicherung stellten. Sie mussten alles auf eine Karte setzen. Das hieß, dass sie Chow vertrauen mussten. Wenn auch auf eine sehr spezielle Weise. Ein Vertrauen, zu dem Li CiWen nur widerwillig bereit war. Andererseits … sie waren in Hong Kong. Selbst mit einer ganzen Armee könnten sie sich aus einer Falle nicht einfach freischießen.
Lim sagte: „Wir sind zur Zeit der Triaden schlimmster Feind. Und die wissen das noch nicht mal. Aber wenn sie es erfahren, sind wir ziemlich im Eimer. Die ganze Aktion ist größer geworden, als ich mir das zu Anfang vorstellen konnte. Ich habe ja kein Problem damit, Hong Kong für einen Augenblick zu verlassen … aber mir ein neues Gesicht hinoperieren zu lassen, geht mir irgendwie zu weit. Und was würde Pipi erst dazu sagen?“
„Nehmen wir mal an, wir bekommen die Informationen und bringen die beiden sicher raus, dann werden die nie etwas erfahren. Für die sind wir zwei Polizisten … also fast, die die Flucht eines Geschäftsmannes zu den Triaden verhindern wollen. Das ist zwar eine dünne Story, aber die haben keine andere. Calvin Chong wird denen genau diese Story auftischen und sich hüten, die zu interpretieren. Der spielt sein eigenes Spiel und in dem sind wir noch für eine Weile Aktivposten. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass die was vom Familienalbum wissen. Ich mag die nicht unterschätzen, aber wir sollten uns vor einer Paranoia hüten. Das lähmt uns nur“, sagte Li CiWen.
„Dein Wort in Buddhas Gehörgang. Morgen ist das Treffen. Wenn alles so klappt, wie gewünscht, dann tippe ich auf maximal eine Woche für die Flucht. Eher weniger. Vielleicht nur einen Tag. Wäre ich Chow, wäre das meine längste Restverweildauer in Hong Kong. Und wie ich ihn einschätze, hat er längst für diesen Tag vorgesorgt. Darauf sind wir zwar vorbereitet, aber ich möchte, dass wir noch mal den ganzen Ablauf durchgehen.“
Am nächsten Morgen setzen sie mit dem Dingi über und schienen zum Aberdeen-Gemüsemarkt zu fahren, wie sie das schon ein paarmal die letzten Tage gemacht hatten. Im Markt wechselten sie ihre Sachen und gelangten über einen Hinterausgang zu einem weiteren Parkplatz, auf dem ein kleiner Mitsubishi für sie bereitstand. Sie fuhren vom Hof. Kurz vor der Auffahrt zur Route 1 bog ein alter Ford Mustang ein paar hundert Meter hinter Ihnen auf die Straße ein. Das war für eine Weile ihre Rückendeckung. In der Des-Voeux-Road, Ecke Tsz-Mi-Alley parkten sie den Wagen. Sie gingen in die Alley und durchquerten den Block nach Osten. Nach einer Weile gelangten sie auf den Hinterhof eines heruntergekommenen Bürokomplexes, dessen Tage offensichtlich gezählt waren. Li und Lim war nicht wohl an diesem Ort. Der Hof war unübersichtlich und für einen Hinterhalt ideal. Aus einer Ecke kam ein kleiner dicker Mann in Boxershorts und Feinrippunterhemd auf sie zu.
Lim fragte: „Hallo, ich soll hier eine Kiste frischen Lobster für das Hibiskus abholen, sind Sie der Lieferant?“ Das war die verabredete Losung. Der Mann winkte Ihnen zu und deutete an, ihm zu folgen. Das Gebäude war derart verwinkelt, dass Li und Lim sich schon Sorgen machten, ob sie hier je wieder herausfinden würden. An einer unscheinbaren Wohnungstür angekommen, öffnete der Unbekannte sie und bedeutete ihnen, hineinzugehen. Die Wohnung war fast vollständig ausgeräumt. Ein Tisch und ein paar Stühle, waren alles, was vom Mobiliar übrig war. Selbst in der Küche war alles abmontiert. Am Tisch saßen John Chow und seine Freundin. Li und Lim fiel ein Stein vom Herzen. Brachte er seine Frau mit, dann war es ihm ernst mit der Flucht.
„Hallo, meine Herren Polizisten“, sagte der große Mann mit einer unerwartet zarten Stimme.

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